Elisabeth Berlin Wenn ich Tanzen will
Elisabeth Berlin

 

              

 

Bericht vom Musical Elisabeth in Berlin am
09. Mai 2008

Berlin 09.05.2008

In den Hauptrollen spielten:

Elisabeth: Pia Douwes
Der Tod: Uwe Kröger
Luigi Lucheni: Bruno Grassini
Kaiser Franz Josef: Markus Pol
Erzherzogin Sophie: Christa Wettstein
Herzogin Ludovika/Frau Wolf: Maike Katrin Schmidt
Herzog Max: Norbert Lamla
Kronprinz Rudolf: Oliver Arno
Rudolf als Kind: Finn Julius Adam

In einigen Internet Berichten habe ich gelesen, dass die Bühnentechnik nicht richtig funktionierte. Ich hatte Glück, daß die gesamte Bühnentechnik ohne Ausfälle funktionierte.

Bevor das Stück beginnt ist die Bühne mit einem Vorhang, der eine große Silhouette der Kaiserin Elisabeth mit der typischen Flechtfrisur zeigt, verdeckt.

Prolog

Lucheni wird verhört, darauf folgt "Alle tanzten mit dem Tod". Das gesamte Ensemble ist auf der Bühne und tanzt den "Totentanz" mit eckigen Bewegungen und mit cape-artigen Umhängen. Die Brücke senkt sich und der Tod erscheint in einem weißen schlichten Anzug und wirkt kühl, überlegen, herzlos und unnahbar. Trotzdem gibt er zu, Elisabeth geliebt zu haben. Lucheni und der Tod schliessen die Szene mit dem "Elisabeth" duellartigen Gesang.

Erster Akt

1. Szene
Der Vorhang mit der Elisabeth Silhouette ist wieder zu sehen. Durch die Silhouette treten die 15. jährige Elisabeth und ihr Vater Max auf. Elisabeth kniet zusammen mit ihrem Vater auf dem Boden, hilft ihm beim Haare kämmen und singt "Wie Du".

2. Szene
Eine große Videoprojektion deutet die Landschaft von Elisabeth's Heimat an, sowie einen Maibaum. Die Verwandten versammeln sich und Elisabeth's Mutter Ludovika kündigt die Hochzeit von Helene und dem Kaiser von Österreich an. "Schön Euch alle zu sehen". Ein Schatten fällt den Maibaum herunter und Elisabeth wird vom Tod - diesmal im schwarzen Anzug auf die Bühne getragen und in ihr Bett gelegt. Dies ist die erste Begegnung von Elisabeth mit dem Tod, in der sie sich in seinen Armen wohl fühlt.

Schwarzer Prinz Elisabeth Berlin
Der Tod begegnet Elisabeth zum ersten Mal

 

3. Szene
Auf einem Podest halten Franz Josef und Sophie eine Audienz "Jedem gibt er das seine". Die Drehbühne kommt hier gut zum Einsatz. Franz Josef wäre gern gefühlvoll, muss aber den harten Kaiser geben. Zudem hat seine Mutter Sophie sehr viel Einfluss auf ihn und überwacht sämtliche Regierungsangelegenheiten.

Apokalyste Elisabeth Berlin
Lucheni kommentiert die Herrschaft von Franz Josef, die massgeblich auf den Ratschlägen seiner Mutter basiert.

4. Szene
Die Videoprojektion zeigt eine sehr schöne Bad Ischl Landschaft. Es fahren einige Kofferberge über die Drehbühne und darauf haben die Darsteller ihren Auftritt mit "So wie man denkt". Sophie hat geplant, dass sich der Kaiser und Helene hier kennenlernen und heiraten. Der Kaiser zeigt jedoch dass er einen Sinn besitzt und verliebt sich in Elisabeth.

5. Szene
Elisabeth und Franz Josef im Riesenrad "Nichts ist schwer". Sie stehen beide in einer großen roten Gondel und die Videoprojektion ist so perfekt, dass man sich selbst wie im Riesenrad fühlt.

6. Szene
Von der Brücke werden die Hochzeitskleider für Elisabeth und Franz Josef heruntergeworfen. "Alle Fragen sind gestellt". Der Tod läutet die Hochzeitsglocken.

7. Szene
Die Videoprojektionen deuten eine Jahrmarktsorgel an. Sophie und Max singen "Sie passt nicht" und langsam erscheinen immer mehr Hochzeitsgäste bis zum Schluss auch Franz Josef und Elisabeth im Ballsaal tanzen. Schliesslich erscheint der Tod und meldet seine Ansprüche an. Die Tanzenden erstarren. Nur Elisabeth und der Tod bestimmen die Szene. Und der Tod singt "Der letzte Tanz".

Sie passt nicht Elisabeth Berlin
Die Eltern wissen, dass Elisabeth und Franz Josef nicht zusammen passen, aber es ist zu spät.

Ballsaal Elisabeth Berlin
Die lästernde Ballgesellschaft

Der letzte Tanz Elisabeth Berlin
Elisabeth klammert sich an Franz Josef, der Tod meldet seine Rechte an.

Der letzte Tanz Elisabeth Berlin
Und wird im Laufe des Stückes immer aggressiver.

 

8. Szene
Die "Gaffer" werden eindrucksvoll mit Projektionen im Stil von Otto Dix dargestellt. Es folgt die Auseinandersetzung der Kaiserin über das strenge Hofzeremoniell mit der Schwiegermutter Sophie "Eine Kaiserin muß glänzen" und die bittere Enttäuschung über ihren Ehemann, der ihr in dieser Lage nicht hilft. Und darauf "Ich gehör nur mir". Bei diesem Lied trägt Elisabeth nur ein schlichtes Nachthemd und füllt die Bühne aus. Zum Schluß geht sie ein paar Schritte die Brücke hoch. Ein eindrucksvolles Bild.

9. Szene
Die Ehejahre werden von Lucheni geschildert und wie eine Art Fotoalbum auf der Bühne dargestellt. Es erscheinen auch Original Fotos aus der damaligen Zeit. Elisabeth werden die Kinder weggenommen. Das Abendessen, bei dem sich Elisabeth die Erziehung der Töchter zurückerkämpft, fällt eher schlicht aus. Franz Josef und sie fahren nur auf Stühlen sitzend auf die Bühne.
Schließlich befinden Sie sich auf der Reise nach Ungarn und die kleine Sophie stirbt. Sie liegt in einem Boot, das aussieht wie ein großer schwarzer Todesengelflügel. Der Tod meldet seine Ansprüche an "Die Schatten werden länger".

Die Schatten werden länger Elisabeth Berlin
Der Tod holt sich die kleine Sophie.

 

10. Szene
Wiener Kaffeehaustische fahren wie Autoscooter auf der Drehbühne herum. "Die fröhliche Apokalypse". Lucheni kommentiert diese Szene. Man erfährt, dass Elisabeth einen Sohn bekommen hat und auch dieser ihr wieder weggenommen wurde.


11. Szene
Franz Josef tritt an die Schlafzimmer Tür von Elisabeth, die symbolisch als Projektion zu sehen ist und bittet um Einlass. "Elisabeth mach auf mein Engel". Hinter dem Vorhang mit der Projektion kann man Elisabeth an ihrem Schreibtisch sehen. Sie gewährt ihm keinen Einlass, sondern setzt ein Ultimatum mit der Forderung, dass sie ihre Kinder selber erziehen kann. Darauf fährt der Tod liegend in einer Art schwarzen Todesbarke auf die Bühne und versucht sie zu verführen. "Elisabeth, sei nicht verzweifelt". Sie steigt fast in das Boot ein und ist kurz davor den Tod zu küssen, besinnt sich jedoch im letzten Moment und reisst sich los von ihm. Der Tod steht schockiert in dem Boot und die Drehbühne fährt in schnell weg, so dass er kaum etwas tun kann ausser Elisabeth wütend anzusehen.

Sei nicht verzweifelt Elisabeth Berlin
Elisabeth entflieht dem "Todesboot"

 

12. Szene
Das Ensemble sind "Milch" mit den Milchkannen und Lucheni bewegt sich auf der Brücke.

Milch Elisabeth Berlin
Die Leute fordern Milch und Lucheni heizt die Stimmung auf

 

13. Szene
Die Hofdamen helfen Elisabeth bei der Schönheitspflege. "Unsere Kaiserin soll sich wiegen". Franz Josef sucht sie und es erscheinen Spiegel auf der Bühne. Plötzlich erstrahlt ein Spiegel und Elisabeth steht in diesem Spiegel wunderschön wie im Gemälde von Franz Xaver Winterhalter. Da kommt ein Gänsehautgefühl zum Reprise von "Ich gehör nur mir" auf.

 

Zweiter Akt

1. Szene
Lucheni's tritt aus dem Publikum auf und geht zur Bühne mit einem glitzernden Kostüm und Hut und verteilt Kitsch und singt "Kitsch!" vor dem geschlossenen Vorhang. Elisabeth und Franz Josef werden zum König und Königin von Ungarn gekrönt.

2. Szene
Der Tod und Elisabeth treffen sich am Rande der Feierlichkeiten zur Krönung und singen "Wenn ich tanzen will". Als Bühnenbild dient die Gondel vom Riesenrad die mit roten Tüchern abgehangen ist.

Elisabeth Berlin Wenn ich tanzen will
Wenn ich tanzen will

 

3. Szene
Der schwarze bootsähnliche Flügel ist auf der Bühne mit weißen Kissen zu sehen. Der kleine Rudolf betritt die Bühne und kuschelt sich darin ein und singt "Mama wo bist du" mit dem Tod.

4. Szene
In der Nervenklinik fallen vor allem die überdimensionalen Hüte der Krankenschwestern auf, die das ganze sehr absurd aussehen lassen. Passt sehr gut zu der Szene. "Nichts, nichts, gar nichts".

5. Szene
Sophie heckt eine Intrige aus um die Macht von Elisabeth gegeüber Franz Josef zu brechen. Diese Situation ist sehr schön in Form eines Schachspiels umgesetzt. Die Schauspieler treten mit Pferdeattrappen auf und tanzen in einer Art Pferde Dressurschritt. Das Schachbrett ist leider nur als Projektion angedeutet. "Wir oder Sie". Sehr gut hat mit Graf Grünne gefallen, der dem Kaiser eine "Zirze" zuführen möchte und somit Sophies Plan in die Tat umsetzt Elisabeths Einfluss mit einer anderen Frau zu brechen.

Sie oder wir Elisabeth Berlin
Sophie heckt mit dem Hofstaat einen Plan aus.

 

6. Szene
"Nur kein Genieren" im Wolfschen Etablissment. Eine große Kasse ist auf dem Podest in der Mitte der Bühne zu sehen. Die Mädchen und Freier laufen auf der Drehbühne herum. Lucheni kommentiert das Geschehen, inklusive der pikanten Situation dass sich Graf Grünne ausgerechnet ein infiziertes Mädchen für den Kaiser aussucht.

7. Szene
Elisabeth bricht beim Turnen an den Ringen zusammen. Dies kann man allerdings beim Bühnenbild nicht so gut erkennen. Es werden Stühle zusammengerückt um sie hinzulegen. Der Tod tritt als Arzt ein und klärt Elisabeth auf, dass sie ihr Mann untreu war und sie sich mit der "Maladie" infiziert hat. Elisabeth ist entsetzt und will sich das Leben nehmen, besinnt sich doch wieder einmal in letzter Sekunde und entflieht dem Tod. "Die letzte Chance". Sie sieht jetzt ihre Chance auf Freiheit durch den Fehler ihres Mannes und beginnt mit ausgiebigen Reisen.

8. Szene
Franz Josef wirft seiner Mutter vor, seine Ehe zu ruinieren. Sie empört sich über ihren Sohn "Bellaria". Elisabeth reist jetzt permanent umher. "Nie kommt sie zur Ruhe", "Spieglein, Spieglein" und "Jagd". Bei allen drei Lieder geht es auf der Drehbühne umher um das rastlose Umherreisen zu symbolisieren.

9. Szene
Rudolf ist inzwischen 28 Jahre alt und begegnet dem Tod, der ihn zu einer Verschwörung anstiftet. In der Szene wirkt der Tod erotisch und aggressiv zugleich. Rudolf wirkt wie seine Marionette, aber auch wie sein Objekt der Begierde. "Die Schatten werden länger" ist eines der besten Stücke im zweiten Akt.

10. Szene
Elisabeth - immer noch auf Reisen - schwelgt in Gedanken und Gedichten und führt Selbstgespräche mit ihrem toten Vater und Heinrich Heine und fragt sich, was sie mit den Lebenden noch reden soll. "Wie Du" Reprise.

11. Szene
Rudolf hat eine Auseinandersetzung mit Franz Josef, da er aus seiner Sicht nicht mehr mit der Zeit mitgeht. Es folgt die Szene "Hass", die ein Ausblick auf das kommende Jahrhundert und den Nationalsozialismus gibt. Diese Szene wirkt sehr bedrückend und der Saal war komplett still nach diesem Stück. In drei Abschnitten läuft das Ensemble über die Bühne und wird dabei immer extremer in Kleidung und Fahnen und Bewegungen. Bis man zum Schluß Hitlerjugendartige Uniformen und hakenkreuzähnliche Armbinden und Fahnen sieht. Und es zum Schluss auch eine Art Hitlergruß gibt. Es folgte betretenes Schweigen im Saal.

12. Szene
Rudolf bittet seine Mutter Elisabeth um Hilfe. Sie weist ihn aber ab und er fühlt sich im Stich gelassen. "Wenn ich dein Spieglein wär"

13. Szene
Eine Pistole wird ihm von den Todesengeln zugeschoben. Nach einem wilden Tanz, dem "Mayerling Walzer" landet er schließlich in den Armen des Tods, der ihn energisch küsst und gleichzeitig den Todeskuss gibt. Schade, dass der Kuss so schnell vorbei war, aber der Effekt war sehr gut. Der Tod wirkte kalt und beherrschend. Er trägt diesmal auch keine Frauenkleider wie in Wien, sondern einen schwarzen schlichten Anzug. Elisabeth trauert daraufhin in der "Totenklage" um ihren Sohn und wünscht sich den Tod herbei. Doch jetzt will er sie nicht mehr.

14. Szene
Es folgen weitere zehn Jahre Reiserei. Lucheni kommentiert es mit einer weiteren "Kitsch!" Version "Mein neues Sortiment". Schliesslich treffen sich Elisabeth und Franz Josef und erkennen das Scheitern ihrer Ehe und laufen auf der Drehscheibe mehr oder weniger aneinander vorbei. "Boote in der Nacht"

15. Szene
Lucheni stellt die Toten vor, die Elisabeth inzwischen zu beklagen hat. Alle fahren auf der Drehscheibe vorbei. Dann begibt sich das Ensemble auf die Bühne zu einer Art Totentanz, bzw. sinkender Welt mit "Alle Fragen sind gestellt". Franz Josef und der Tod stehen auf der Brücke und beobachten dies Treiben. Der Tod stellt sich als Sieger über Franz Josef dar.

Epilog

Der Tod wirft Lucheni die Mordwaffe zu. Er läuft die Brücke/Steg (in Form einer Feile) herunter und ermordet Elisabeth. Sie steht langsam auf, zieht ihr Kleid aus und steht in einem weissen Unterkleid auf der Bühne. Schließlich fällt sie dem Tod in die Arme, singt mit ihm zusammen "Der Schleier fällt" und stirbt. Nach dem Todeskuss legt der Tod sie langsam auf den Fussboden und sie fährt mit der Drehbühne von der Bühne. Wer sich fragt, warum Uwe Kröger diesmal größer ist als Pia Douwes: Dies liegt an dem neuen Kostüm, bzw. den neuen Schuhen mit Absätzen.

Lucheni erhängt sich und der Tod blickt kühl und gefährlich ins Publikum.

Elisabeth Berlin Kostüm Uwe Kröger

 

 

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